Am 7. September wurde der DHV (die Berufsgewerkschaft) 125 Jahre alt

Am 7.September 1893 wurde in Hamburg von 23 Handlungsgehilfen der Deutschnationale Handlungsgehilfen-Verband (DHV) gegründet. Der DHV ist damit die älteste Berufsgewerkschaft für Handels- und Dienstleistungsberufe -vormals Angestellte- in Deutschland. Er feiert sein Jubiläum am 20. September mit einem
zentralen Festakt in den Räumen der „Patriotische Gesellschaft von 1765“ in Hamburg. Nach Gleichschaltung und Verbot während der NS-Zeit und Neugründung zum 1.10.1950 nach Wiederherstellung der deutschen Souveränität zählt der DHV heute rund 73.000 Mitglieder, die überwiegend in kaufmännischen und verwaltenden Berufen tätig sind. In Bremen ist der DHV seit 1954 wieder durchgängig mit einer hauptamtlich besetzten Geschäftsstelle vertreten. Der Verband stellt im Lande Bremen Arbeits- und Sozialrichter sowie Mitglieder von Prüfungsausschüssen. Er ist in der Vollversammlung und den Ausschüssen der Arbeitnehmerkammer, in Betriebsräten sowie im Berufsbildungsausschuss der Handelskammer vertreten. Einer breiten Öffentlichkeit ist der DHV hier insbesondere durch den jährlichen
Berufswettkampf der Kaufmannsjugend bekannt. Weniger bekannt ist die Bedeutung des DHV für das Entstehen und die Entwicklung von Selbsthilfeeinrichtungen der Abgestellten. Die bis heute bestehende „Gagfah – Gemeinnützige Gesellschaft für Angestellten-Heimstätten“, seit 2015 im Besitz der Vonovia AG, wurde 1918 unter maßgeblicher Beteiligung des DHV gegründet. In der heutigen Basler-Versicherung finden sich Teile der vormaligen Versicherungsgruppe Deutscher Ring, die vom DHV 1913 als „Deutschnationale Versicherungs-AG“ gegründet wurde. Die Nationalbank in Essen ist Nachfolgeinstitut der 1920 vom DHV und anderen christlichen Gewerkschaften gegründeten „Deutschen Volksbank AG“. Die heutige DAK Gesundheit zählt die vom DHV 1898 gegründeten „Deutschnationale Kranken- und Begräbniskasse“ zu ihren Gründungspfeilern und die „DHV-Versicherung gegen Stellenlosigkeit für Handlungsgehilfen“ ist ein Vorläufern der Agentur für Arbeit. Die Gründung von Selbsthilfeeinrichtungen und Gewerkschaftsunternehmen war eine Antwort des DHV auf
die Ende des 19. Jahrhunderts in Deutschland herrschenden unsozialen Arbeits- und Lebensbedingungen, denn die gesetzliche Sozialversicherung steckte noch in ihren Anfängen und war weitgehend auf Arbeiter beschränkt. Handlungsgehilfen waren weitgehend der Willkür ihrer Arbeitgeber ausgesetzt. Im Einzelhandel waren z.B. Arbeitszeiten bis 21 Uhr an Werktagen und bis 14 Uhr an Sonntagen die Regel, was den Berliner Hofprediger Stoecker veranlasste, im Reichstag vom „übermüdeten Geschlecht der Handlungsgehilfen“ zu sprechen. Die Forderung nach einer gesetzlichen Regelung der Ladenöffnungszeiten zählte denn auch zu
den ersten Anliegen der neugegründeten Gewerkschaft. Dazu wurde vom DHV eine Petition gestartet, die am 9.März 1897 mit 128.475Unterstützungsunterschriften dem Reichstag eingereicht wurde und zur Folge hatte, dass zum 1.10.1900 erstmalig ein Ladenschlussgesetz erlassen wurde, Dieses Gesetz enthielt allerdings vor allem im Bereich des Sonntagsschutzes viele Ausnahmeregelungen und seine Einhaltung wurde
zudem kaum kontrolliert, so dass für Handlungsgehilfen von „Sonntagsruhe“ weiterhin keine Rede war. Auch heute noch sorgen die möglichen Ausnahmeregelungen für Sonntagsöffnungen in den Ladenschlussgesetzen der Länder immer wieder für Streit zwischen Gewerkschaften, Arbeitgebern und Politik.
Tarifvereinbarungen zwischen Gewerkschaften und Arbeitgebern oder Arbeitgeberorganisationen, wie sie heute üblich sind, gab es bei Gründung des DHV noch nicht. Erst mit dem sogenannten „Stinnes-Legien-Abkommen“ vom 15.11.1918, und dessen staatlicher Anerkennung durch eine Tarifvertragsverordnung wurden Gewerkschaften offiziell als Vertretungen der Arbeitnehmerschaft anerkannt und zum Abschluss von Tarifverträgen ermächtigt.

Über Redaktion, Horst Dippel

Kreisvorsitzender der CDA-Erzgebirge - Christlich-Demokratische- Arbeitnehmerschaft im Erzgebirgskreis,
Mitglied des CDA Landesvorstandes Sachsen,
Mitglied im Bundesvorstand der CDA/CGB Arbeitsgemeinschaft,
Beauftragter für die CDA/CGB Arbeitsgemeinschaft Mitteldeutschland,
Ehrenamtlicher Richter am sächsischen Landesarbeitsgericht seit 1994 bis 30. Juni 2017 (Mandat CGB),
Friedensrichter der Großen Kreisstadt Aue (seit 26. April 1995),
Stadtrat der Großen Kreisstadt Aue (CDU-Fraktion),
Mitglied des CDU-Kreisvorstandes Erzgebirge (Kraft Amtes),
Beisitzer und Pressesprecher im CDU Ortsvorstand Aue / Bad-Schlema,
Mitglied im Landesvorstand der Berufsgewerkschaft DHV im CGB.